Gefälschte Produkte sind kein Randphänomen. Nach dem im Oktober 2026 vorgestellten Bericht von EUIPO und EU-Kommission wurden 2025 in der EU über 196 Millionen gefälschte Artikel im Wert von rund 6,3 Milliarden Euro sichergestellt – ein Rekordwert. Der Großteil der Sendungen stammte aus China und der Türkei; Express- und Postsendungen machen einen erheblichen Teil der Fälle aus. Auch der deutsche Zoll meldete in seiner Jahresbilanz Millionen beschlagnahmter Produkte.

Geöffnete Pakete mit mutmaßlich gefälschter Ware bei einer Zollkontrolle

Betroffen sind längst nicht nur Luxusmarken

Gefälscht werden Ersatzteile, Werkzeuge, Ladegeräte, Kosmetik, Spielzeug und Medizinprodukte. Für Hersteller ist das doppelt gefährlich: Sie verlieren Umsatz, und mangelhafte Kopien beschädigen den Ruf – im schlimmsten Fall bis zu Haftungsfragen, wenn Kunden die Fälschung für das Original halten.

Praxisbeispiel: Werkzeughersteller aus der Region

Ein Hersteller von Akkuwerkzeugen bemerkt vermehrte Reklamationen über Akkus, die er nie verkauft hat. Die Recherche zeigt: Auf Marktplätzen werden Nachbauten mit seiner Marke und nahezu identischem Gehäuse angeboten. Der Weg aus der Situation sieht typischerweise so aus:

  1. Rechte prüfen: Welche Marken, Designs und technischen Schutzrechte bestehen in Deutschland und der EU?
  2. Grenzbeschlagnahmeantrag stellen: Der Antrag bei der Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz ist für Rechteinhaber kostenlos. Der Zoll hält verdächtige Sendungen an und informiert den Rechteinhaber.
  3. Zoll schulen: Merkmale, an denen Originale erkennbar sind, gehören in den Antrag.
  4. Plattformen nutzen: Meldeverfahren der Marktplätze parallel einsetzen.
  5. Gegen Hintermänner vorgehen: Abmahnung, einstweilige Verfügung, Auskunft über Lieferketten.

Ohne Schutzrecht kein Zugriff

Der Zoll kann nur tätig werden, wenn ein Schutzrecht besteht. Wer Produkte nur über ein unregistriertes Aussehen oder einen nicht eingetragenen Namen schützt, hat an der Grenze kaum Handhabe. Eine Kombination aus Marke, Design und gegebenenfalls Patent oder Gebrauchsmuster ist deshalb die Grundlage jeder Strategie gegen Produktpiraterie.

Mehr dazu: Produktpiraterie · Markenverletzung

Fälschungen Ihrer Produkte entdeckt?

Telefon 0511 357 356 0 · Kontaktformular – wir prüfen kurzfristig die nächsten Schritte.

Stand: November 2026. Zahlen: Bericht von EUIPO und EU-Kommission (Oktober 2026). Dieser Beitrag ersetzt keine Beratung im Einzelfall.