Was für Lebensmittel und Wein seit Langem gilt, steht jetzt auch Handwerk und Industrie offen: Seit dem 1. Dezember 2025 können Namen handwerklicher und industrieller Erzeugnisse, deren Qualität oder Ruf mit ihrer Herkunft verbunden ist, EU-weit als geografische Angabe geschützt werden. Bekannte Beispiele aus Deutschland sind Messer aus Solingen oder Porzellan aus Meißen.

So läuft das Verfahren

  1. Eine Erzeugervereinigung erstellt eine Produktspezifikation: Was macht das Produkt aus, wo wird es hergestellt, welcher Schritt muss in der Region stattfinden?
  2. Der Antrag wird elektronisch über das Portal des EUIPO gestellt.
  3. Das Deutsche Patent- und Markenamt prüft den Antrag zunächst national; Dritte können Einspruch einlegen.
  4. Anschließend entscheidet das EUIPO über die Eintragung für die gesamte EU.

Das DPMA hat im Januar 2026 auf die neuen Zuständigkeiten hingewiesen. Für Agrarerzeugnisse ist in Deutschland künftig die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zuständig.

Handwerkliche Erzeugnisse wie Messer und Porzellan auf einer Werkbank

Praxisbeispiel: Ein regionaler Herstellerverband

Mehrere Glashütten einer Region vermarkten ihre mundgeblasenen Gläser seit Jahrzehnten unter dem Namen ihres Ortes. Inzwischen tauchen im Onlinehandel Gläser mit diesem Namen auf, die in Fernost maschinell gefertigt werden. Eine Marke einzelner Hersteller hilft hier nur begrenzt, weil der Ortsname allen gehört. Eine geografische Angabe dagegen schützt den Namen kollektiv – für alle Hersteller, die die Spezifikation einhalten, und gegen alle, die sie nicht einhalten.

Geografische Angabe oder Marke?

Beides schließt sich nicht aus. Die geografische Angabe schützt den Herkunftsnamen gemeinschaftlich, die Marke unterscheidet das einzelne Unternehmen. Für viele Hersteller ist die Kombination sinnvoll: der geschützte Regionsname auf dem Produkt, die eigene Marke als Absender. Wichtig ist, die Spezifikation so zu fassen, dass sie Qualität sichert, ohne die Weiterentwicklung der Produkte zu blockieren.

Mehr dazu: Markenrecht · Wettbewerbsrecht

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Stand: November 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.